BIOGRAFIE

Edgar Müller ist von Haus aus Alemanne. 1959 wurde er in Gurtweil bei Waldshut im Südschwarzwald nahe der Schweizer Grenze geboren. Einmal im Jahr transferiert er seine Kindheitseindrücke von der alemannischen Fastnacht nach Durlach. Dann verkleidet er sich mit grotesker Vogelmaske aus Holz und mit entsprechender Kostümierung stackert er auf hohen Holzpantoletten durch die Straße und Kneipen, unüberhörbar begleitet von Glockengebimmel. Ein wahres Fabelwesen.

Die Authenzität, die bei diesem Mut zum Rollentausch mitschwingt, kennzeichnet Edgars Persönlichkeit in vielerlei Hinsicht.
Holzskulptur Nymphe Eibe 2022 Maße: 23(30)cm

Hauptberuflich ist Edgar Müller Bildhauer, ja ganz klassisch Skulpteur, der nicht mit Stein oder Metall, sondern fast ausschließlich mit Holz arbeitet. Das ist heute selten geworden, wo in der  zeitgenössichen Kunst das Handwerkliche und die Gestaltung – nicht nur in der Bildhauerei – sehr oft keine Rolle mehr spielen.

Dieser Beruf, ja diese Berufung wurde Edgar nicht gerade in die Wiege gelegt. Es hat schon etwas gedauert, bis er dort angekommen ist. Von Haus aus wurde er in eine Arbeiterfamilie hineingeboren. Außer ihm gab es noch 4 Brüder und 2 Schwestern. Vor seinem Werdegang, der durch ein paar Umwege gekennzeichnet ist, muss man Respekt haben:

  • Nach der Hauptschule absolvierte er zunächste die Lehre in einer Zimmermannswerkstatt.
  • Nach einigen Hürden, die es zu bewältigen gab, absolvierte er das Abitur in Freiburg mit dem Ziel, Architektur zu studieren.
  • Zuvor absolvierte er noch seinen Zivildienst. Er ging mit dem „Internationalen Jugend Freiwilligendienst“ kurz EIRENE 1984 für ein Jahr nach Irland genauer nach Belfast. Die Organisation kümmert sich weltweit um Konfliktherde zwischen Volksgruppen wie zum Beispiel noch in den 1980er Jahren in Irland zwischen Protestanten und Katholiken.

Das irische Engagement wirft viel Licht auf den Charakter von Edgar, darüber hinaus setzt hier seine Leidenschaft für den künstlerischen Umgang mit Holz ein. Aus Belfast brachte der angehende Bildhauer den Stamm einer Eibe mit, den er allerdings erst etwa 20 Jahre später bearbeitete. Von der Skulptur, die er unter anderem daraus schuf, hat er sich bis heute nicht getrennt.

  • Im Anschluss an Irland wurde er 1985 Student der Architektur an der Karlsruher Universität. Damit war er am Ziel seiner Wünsche! Zur Bewerbung an der hiesigen Kunstakademie fehlte ihm, so sagt er, einfach der Mut. Auch hätte ihm wohl der Betrieb an einer Akademie nicht behagt, er sei halt in jeder Hinsicht ein Einzelkämpfer.

Das zweidimensionale Zeichnen, was ja auch zu der Ausbildung des Architekten gehört, lag ihm nur bedingt. Hans Martin Erhardt, selbst Künstler und Schüler von dem Holzschneider und Akademieprofessor HAP Grieshaber, war damals Lehrer der Zeichenklasse an der Karlsruher Universität (mittlerweile KIT). Edgar bekennt noch heute, im Nachhinein, dass er höchst ungern Akt, also den nackten menschlichen Körper, gezeichnet habe. 

Das überrascht umso mehr, wenn man sich in seinem Atelier umschaut, wo weibliche Körperformen ganz offensichtlich dominant sind. Die zweidimensionale Wiedergabe widersprach seiner Vorliebe für das Haptische, Begreifbare des dreidimensionalen Körperlichen.

  • Nach 20 Semestern schloss Edgar die Ausbildung als Architekt erfolgreich ab. Die Dauer des Studiums war insofern nichts Besonderes, als Edgar seine damalige Herzensdame des öfteren in Freiburg besuchte und er mit gelegentlichen Zimmermannsarbeit seinen Unterhalt verdienen musste.
  • Die erstaunliche Tatsache ist aber nun, dass er beschloss, den einst heiß ersehnten Beruf des Architekten nun doch nicht auszuüben zu wollen, stattdessen reifte in ihm der Plan, sich verstärkt der Bildhauerei zu widmen.
Nymphe 2_Eibe_22cm

Man muss nur zwei seiner miniaturhaften Probestück aus dieser frühen Zeit anschauen bzw. in den Händen halten, um diesen seinen Beschluss nachzuvollziehen. Welch großartige Begabung spricht hier aus dem kleinen weiblichen Akt. 

Die gedrungenen Körperformen erinnern an archaische weibliche Idole mit üppigen Formen, ganz auf das Wesentliche des Urmütterlichen konzentriert.

1992 hatte Edgar seine erste Ausstellung und zwar in Durlach im Hof des Löwenkindergarten. Mit dem Verkauf von 3 Holzplastiken bei diesem Anlass wurde der erste öffentliche Auftritt ein voller Erfolg. Zwei Jahre später, 1994, nahm er dann schon an der Durlacher Vernissage teil.

1996 begann er endgültig künstlerisch frei schaffend tätig zu werden.

Nach oben scrollen